Der Entschluss für ein Kino in den eigenen vier Wänden ist gefasst und ihr könnt es kaum erwarten endlich loszulegen und den ersten Film zu erleben. Bevor ihr euch jedoch fleißig Lautsprecher, Beamer und Leinwand kauft, solltet ihr zuallererst Zeit in die Planung eures Heimkinos stecken. Je detaillierter ihr euren Heimkinoraum plant, desto einfacher wird nachher die Umsetzung und desto eher entdeckt ihr mögliche Probleme und Herausforderungen. Von der Planung bis zur Umsetzung bzw. dem ersten Filmerlebnis in der „Kinoschmiede“ hat es etwas über ein Jahr gedauert. Auf die Planung des Heimkinos entfielen dabei mindestens drei Monate. Eine lange Zeit, in denen Zeichnungen erstellt, 3D Simulationen entworfen und jeder Schritt akribisch geplant wurde. Und am Ende können wir voller Stolz sagen, dass sich Aufwand und Blutschweiß gelohnt haben.

Wahl des Kinoraums

Die erste Herausforderung bei der Planung eures Heimkinos ist es, den richtigen Raum dafür zu finden. Er sollte euren Mindestansprüchen an ein Heimkino genügen. Im Idealfall habt ihr einen dedizierten Raum, zum Beispiel im Keller, den ihr nutzen könnt. Hier könnt ihr euch dann richtig austoben und müsst kaum Kompromisse eingehen. Angefangen von dunklen Wänden, über Maßnahmen zur Optimierung der Raumakustik bis hin zu Vorhängen oder einem Podest für die Kinosessel habt ihr alle Möglichkeiten, um für ein stimmiges Kino-Ambiente zu sorgen. Auch das gemütliche Wohnzimmer kann als Heimkinoraum dienen. Dafür werdet ihr aber Kompromisse zwischen Funktionalität, Wohnlichkeit und Optik eingehen müssen.


Unser Heimkino „Kinoschmiede“ befindet sich im Keller, genauer gesagt im ehemaligen Waschraum. Es war der größte Raum im Keller mit ca. 12 qm und hatte keine direkten Wände zum Nachbarn (Doppelhaushälfte). Um die Grundlagen für die Nutzung des Raumes als Heimkino zu schaffen, musste der Abflussgulli beseitigt, die alten Fliesen raus geschlagen und der Boden mit Ausgleichsmasse begradigt werden. Zudem wurde das Mauerwerk verputzt und ein neues Kellerfenster eingesetzt. Ich habe mir im Vorfeld bereits sehr viele Gedanken zur Gestaltung des Heimkinos gemacht und eine entsprechende Checkliste entworfen. Die Checkliste soll euch dabei helfen, mögliche Hürden bereits früh zu erkennen und in eure Planung zu berücksichtigen.

Kinoplanung Checkliste

Heimkinoraum

  • Möchte ich einen dedizierten Heimkinoraum oder soll das Kinoerlebnis im Wohnzimmer stattfinden?
  • Soll die Technik (Beamer, Receiver) in einem separaten Technikraum ausgelagert werden?
  • Auf welche Wand soll später die Leinwand montiert werden?
  • Wie viele Kinosessel bzw. Sitzreihen möchte ich haben?
  • Brauche ich ein Podest für die hintere Sitzreihe?
  • Wie ist die Nähe zum Nachbar? Kann ich das Kino in vollen Zügen genießen, ohne dass mein Nachbar wegen Lärmbelästigung regelmäßig vor der Tür steht?
  • Ist für eine ausreichende Belüftung und Beheizung des Raums gesorgt?
  • Wie kann ich den Raum akustisch optimal für meine Zwecke nutzen?
  • Sollen die Wände lieber tapeziert oder mit Baumwollputz versehen werden?

Bild

  • Wo soll der Beamer positioniert werden und welches Bild (Bildgröße) wirft er an die Wand?
  • Wie groß soll die Leinwand sein und welchen Abstand hat sie zum Beamer?
  • Kaufe ich eine fertige Kinoleinwand oder baue ich mir meine Kinoleinwand selber?
  • Wie weit ist die erste Reihe von der Leinwand entfernt?
  • Möchte ich eine maskierbare Leinwand, die sich an das Bildformat anpassen lässt?
  • Sollen Filme nicht nur in 2D, sondern auch in 3D abspielbar sein?
  • Welche Maßnahmen zur Verdunklung des Raums sollen ergriffen werden?

Ton

  • Wie viel Geld möchte ich von meinem Budget in die Raumakustik Optimierung stecken?
  • Welche Maßnahmen zur Optimierung der Raumakustik möchte ich ergreifen?
  • Bevorzuge ich eher einen einhüllenden Raumklang oder sollen Effekte und Geräusche ortbar sein?
  • Soll der Ton von jedem Sitzplatz möglichst gleich gut klingen oder gibt es einen Referenz-Hörplatz
  • Wäre Dolby Atmos sogar eine Option für mich?
  • Soll die Leinwand akustisch transparent sein, um die Lautsprecher hinter der Leinwand positionieren zu können?

Lautsprecher

  • Möchte ich ein 5.1 System oder sollen es lieber 6.1, 7.1 oder noch mehr sein?
  • Kommen für mich Dipole, Bipole oder Direktstrahler als Surround Lautsprecher infrage?
  • Wie kann ich meine Lautsprecher und den Subwoofer optimal in meinem Raum aufstellen?
  • Wie soll der Subwoofer und die Lautsprecher vom Boden ange- bzw. entkoppelt werden?
  • Wie viele Subwoofer sollen mein Heimkino befeuern?

Planungssoftware für euer Heimkino

Die Checkliste hat euch hoffentlich bei der Planung eures Heimkinos geholfen. Jetzt ist es an der Zeit, euren Traum vom eigenen Heimkino Wirklichkeit werden zu lassen. Es gibt mehrere Möglichkeiten, die Raumplanung zu visualisieren. Ihr könnt eine klassische Hand-Skizze anfertigen, eine 3D-Zeichnung mit SketchUp erstellen oder gleich mit einem 3D-Raumplaner arbeiten. Ein 3D-Raumplanungsprogramm erleichtert euch die visuelle Darstellung eures Heimkinos und zeigt euch die Dimensionen der einzelnen Heimkino-Komponenten in Relation zu dem Kinoraum am besten an. Ich habe mich für das kostenlose und intuitive 3D-Raumplanungsprogramm Roomeon entschieden und sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Sobald ihr die Maße für euren Raum festgelegt habt, wird dieser für euch erstellt und ihr könnt euch frei im Raum bewegen. Der große Vorteil an Roomeon ist, das ihr Zugriff auf eine riesige Datenbank an Elementen wie Lautsprecher-Komponenten, verschiedene Kinosessel, Beamer etc. habt. Die einzelnen Objekte sind skalierbar und lassen sich ganz einfach per Drag & Drop an die entsprechende Stelle in den Raum ziehen. So könnt ihr spielend leicht euer Heimkino zum Leben erwecken.