Zu einem rundum gelungenen Filmerlebnis gehört neben einem fantastischen Bild ein ebenso tolles Klangerlebnis. Für zufriedenstellende Tonqualität sind aber nicht nur Filmdatenträger und Lautsprecher zuständig. Insbesondere die Raumakustik spielt bei der Klangqualität eine entscheidende Rolle. Neben Budget für ein ansprechendes Lautsprecher-Ensemble solltet ihr daher immer auch genügend Geld für Maßnahmen zur Optimierung der Raumakustik in eurem Heimkino einplanen. Im Folgenden stellen wir euch 10 Tipps vor, wie ihr euren Heimkinoraum mit geringem Aufwand akustisch optimieren könnt.

Tipp1: Erstreflexionen vermeiden

Für echten Filmgenuss in unserem Heimkino erwarten wir, dass der wahrgenommene Klang zur räumlichen Umgebung im Film passt. In einer Kirchenszene sollten Stimmen entsprechend hallig klingen, während ein Stimmenecho in Wüstenszenen eher irritierend wirken würde. Nun ist es aber so, dass die originale Tonspur auf der Blu-ray bzw. DVD immer auch durch die Eigenarten unseres Heimkinoraums beeinflusst wird. Aufgrund der Reflexionen des Schalls an den Wänden nehmen wir zum Beispiel die Dimensionen des Raums wahr, in dem wir uns befinden. Um möglichst die originale Tonspur zu hören und die Beeinflussung durch die Eigenarten des Raums zu minimieren, hilft es, frühe Reflexionen des Schalls durch Absorber zu minimieren. Wir haben uns für die optisch ansprechende Lösung in Form von Akustikbilder mit Basotect entschieden.

Tipp2: Optimaler Fußbodenbelag fürs Heimkino

Alle Kinos, in denen ich bisher gewesen bin, waren mit einem Teppichboden ausgestattet. Teppichboden im Kino sorgt vor allem dafür, dass Frequenzen im Hochtonbereich absorbiert werden. Neben diesen akustischen Eigenschaften trägt ein Kinoteppich auch noch zu einem gemütlichen Kinoflair bei. Bei der Kinoteppich-Wahl kommt es vor allem auf die Florhöhe des Teppichs an. Je niedriger der Flor, desto weniger Tonhöhen werden geschluckt.
Natürlich ist es nicht immer möglich oder erwünscht, einen Kinoteppich als Bodenbelag für das Heimkino zu verlegen. Gerade diejenigen, die ihr Heimkino ins Wohnzimmer integriert haben, werden Kompromisse eingehen müssen. Nachteilig sind beispielsweise hart reflektierende Oberflächen wie etwa Fliesen oder Granit. Bei solchen Bodenbelägen hilft es, einen Teppich zwischen Front-Lautsprecher und Hörposition auszulegen.

Tipp3: Der optimale Wandbelag für euer Heimkino

Der Wandbelag spielt eine ebenso wichtige Rolle für die Raumakustik eures Heimkinos wie der Boden. Als Faustregel gilt: Glatte Oberflächen wie etwa Fliesen oder Klebetapeten sind hart reflektierend im Mittel- und Hochtonbereich und führen zu einem Raum mit langen Nachhallzeiten. Stimmen im Film können sich überlagern und klingen verwaschen. Wesentlich geeignetere Oberflächen für euer Heimkino sind Tapeten mit grober Struktur (Rauhfasertapeten) oder sogar akustische Putze. In unserem Heimkino „Kinoschmiede“ haben wir Baumwollputz für die Wände verarbeitet und sind damit hochzufrieden. Neben den akustisch positiven Eigenschaften sorgt der Baumwollputz für ein angenehmes Raumklima. Die Kellerwand fühlt sich dank des Baumwollputzes wärmer an als bei gewöhnlichen Putzen oder Rauhfasertapeten. Wir raten davon ab, die Wände teilweise oder sogar vollflächig mit Teppich, Vlies oder Velours zu bekleben. Diese Materialien schlucken hauptsächlich Frequenzen im Hochtonbereich. Dies hat zur Folge, dass vor allem Stimmen in Filmen gedämpft klingen.

Tipp4: Das Deckensegel

In Tipp1 haben wir bereits die Vermeidung von Erstreflexionen beschrieben. Akustikbilder können die Erstreflexionen an den Wänden zwischen Front-Lautsprechern und Hörplatz reduzieren. Ein Deckensegel erfüllt denselben Zweck, nur eben für den oberen Deckenbereich zwischen Zuschauer und Leinwand. In unserem Heimkino haben wir ein Deckensegel angebracht, das aus zwei Melaminharzschaum-Platten besteht. Die 7cm dicken Melaninharzschaum-Platten sind mit einem anthrazitfarbenem Akustikstoff überzogen und in einen Holzrahmen gespannt.

Tipp5: Nutzt Diffusoren, um den Klang lebendig zu halten

Bei der Umsetzung eines Heimkinos kann es schnell passieren, dass der Raum mit zu viel schallabsorbierendem Material vollgestopft wird. Das Resultat ist ein schallreflexionsarmer Raum, in dem der Ton gedämpft beim Zuschauer ankommt. Gewaltige Filmexplosionen wirken eher wie kleine Knallfrösche, Stimmen klingen so als würden die Schauspieler hinter vorgehaltener Hand sprechen. Ein lebendigeres Klangerlebnis könnt ihr damit erreichen, dass ihr Elemente in euren Kinoraum integriert, die den Schall diffus in unterschiedliche Richtungen zurückwerfen. Natürliche Diffusoren können beispielsweise Blu-ray Regale oder eine Beamer-Halterung sein. Damit das Blu-ray-/ DVD-Regal den Schall möglichst diffus reflektiert ist eine leicht chaotische Anordnung der Blu-ray Filme von Vorteil. So bietet ihr dem Schall eine inhomogene Fläche. Natürlich könnt ihr euch auch professionelle Diffusoren kaufen. Diese sind aber meist unverhältnismäßig teuer und fressen das festgesetzte Budget eures Heimkino-Projekts schnell auf.

Tipp6: Akustikbilder als optisch ansprechende Absorber

Die Herausforderung bei Optimierungsmaßnahmen für die Raumakustik ist es, die Balance zwischen gutem Klang und ansehnlicher Optik zu wahren. Gerade wenn ihr einen Wohnraum wie euer Wohnzimmer als Heimkino nutzen wollt, sollten akustische Elemente nicht zu aufdringlich wirken und ins Gesamtkonzept des Raums passen. Akustikbilder bieten eine gute Möglichkeit. In unserem Heimkino haben wir die Filmplakate der Film-Klassiker „From Dusk till Dawn“ und „L.A. Confidential“ auf eine Rahmenleinwand drucken lassen. Hinter den Rahmen wurde jeweils passende Platten aus Melaminharzschaum geklemmt. Dies ist zwar keine optimale Lösung, da die Leinwand nur bedingt schalldurchlässig ist. Für nicht audiophile Zuschauer ist diese Lösung allerdings ein toller Kompromiss aus raumakustischer und optischer Sicht.

Tipp7: Eckabsorber für Tiefenbässe

Leider bekommen die bisher dargestellten Möglichkeiten zur Raumakustik Optimierung problematische Frequenzen im tiefen Frequenzbereich unterhalb von 100 Hertz nicht in den Griff. Um tiefen Bässen den Kampf anzusagen, müssen größere Geschütze her. Gerade die Ecken eures Heimkinoraums eignen sich gut, um etwa Eckabsorber zur Absorption tieferer Frequenzen aufzustellen – und zwar so, dass es ins Gesamtbild eures Heimkinos passt. Gute Eckabsorber gibt es z.B. von aixFOAM. Allerdings kosten professionelle Absorber auch eine ganze Menge Geld. Ihr könnt diese aber auch mit relativ wenig Aufwand selbst bauen.

Video-Exkurs: Was sind Raummoden und was könnt ihr dagegen tun?


Die in dem Video dargestellten Bassfallen helfen, den tieffrequenten Bässen einen Teil der Energie entziehen. In unserem Heimkino „Kinoschmiede“ verwenden wir selbst gebaute Bassabsorber, die in den vorderen Ecken platziert wurden.

Über den Autor

aka Basti

Liebt Big Kahuna Burger über alles und scheut sich nicht davor, auch mal in Bermudas und quietschbunten T-Shirts durch die Stadt zu laufen. Seine Leidenschaft gilt spannenden Filmen mit tollen Charakteren, witzigen Dialogen und einer mitreißenden Geschichte. Er kann es kaum erwarten, dass Quentin Tarantino seinen neuesten Film in die Kinos bringt.

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